Analyse
Legacy verstehen, Prozesse durchdringen, Anforderungen präzisieren
Die Analyse-Phase erzeugt das vollständige fachliche und technische Verständnis der Ausgangslage: Bei Legacy-Systemen rekonstruiert agentisches Reverse Engineering Architektur, Geschäftslogik und Datenmodelle; parallel analysiert die Business-Analyse die Ist-Prozesse, und das Requirements Engineering spezifiziert die Anforderungen an die agentische Ziellösung.
Einordnung der Phase im TRANSFORM-Vorgehensmodell
Vorgehensmodell
Ergebnis ist eine konsolidierte, nachvollziehbare Wissensbasis: rekonstruierte Systemdokumentation, analysierte Ist-Prozesse mit Schwachstellen und ein qualitätsgesichertes, priorisiertes Anforderungsmodell nach IREB-Standard.
Systeminventur & Scoping
Erfassung der betroffenen Systeme, Schnittstellen, Datenbestände und Prozessdomänen; Festlegung von Analysetiefe und Rekonstruktionszielen je System auf Basis der Roadmap-Priorisierung.
Reverse Engineering (bei Legacy)
Agentische Rekonstruktion von Architektur, Modulstruktur, Geschäftsregeln und Datenmodellen aus Quellcode, Datenbanken und Betriebsartefakten — methodisch entlang der Taxonomie von Chikofsky & Cross und des Horseshoe-Modells.
Business-Analyse der Ist-Prozesse
Prozessaufnahme und -bewertung mit Process Mining und BABOK-Techniken; Identifikation von Medienbrüchen, Automatisierungspotenzialen und Human-in-the-Loop-Punkten.
Requirements Engineering
Ermittlung, Dokumentation, Prüfung und Abstimmung der funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen nach IREB/ISO 29148; Modellierung mit Use Cases, User Stories und BPMN-Sollprozessen.
Konsolidierung & Gap-Analyse
Zusammenführung von Systemwissen, Prozessanalyse und Anforderungen in der Wissensbasis; Gap-Analyse zwischen Ist und agentischem Soll als direkte Eingabe für die Design-Phase.
Methodik-Mix
Reverse Engineering, Business-Analyse und Requirements Engineering
| Methode | Einsatzzweck im TRANSFORM-Kontext | Referenz |
|---|---|---|
| Reverse-Engineering-Taxonomie | Begriffs- und Vorgehensrahmen für Design Recovery und Re-Dokumentation von Altsystemen; wissenschaftliche Basis des Whitebox-Reverse-Engineering mit SLIP. | Chikofsky & Cross (1990) |
| Horseshoe-Modell (Architecture Reconstruction) | Dreistufige Rekonstruktion von Code- über Funktions- zur Architektursicht; strukturiert die Transformation von Alt- zu Zielarchitektur. | Kazman, Woods & Carrière (1998) |
| Process Mining | Datengetriebene Rekonstruktion und Konformanzprüfung realer Prozessabläufe aus Event-Logs; objektiviert die Ist-Prozessanalyse. | van der Aalst (2016) |
| BABOK v3 — Business-Analyse-Techniken | Kuratiertes Technikenset (u. a. Stakeholder-Analyse, Wertstromanalyse, Root-Cause-Analyse) für die fachliche Durchdringung der Prozesse. | IIBA (2015) |
| IREB CPRE / Requirements Engineering | Systematik für Ermittlung, Dokumentation, Prüfung und Management von Anforderungen; verbindlicher ReqPOOL-Qualitätsstandard. | Pohl (2010); IREB |
| ISO/IEC/IEEE 29148 | Internationale Norm für Anforderungsspezifikationen; definiert Qualitätskriterien wie Verifizierbarkeit und Widerspruchsfreiheit. | ISO/IEC/IEEE 29148:2018 |
Plattform-Unterstützung
ReqPOOL Suite: SLIP (Reverse Engineering — Whitebox) · App2Spec (Reverse Engineering — Blackbox) · Requirements Manager (Agentisches Requirements Management) · reqChecker (Anforderungsqualität)
SLIP — Whitebox-Reverse-Engineering
Liest jede Codebasis (SAP/ABAP, COBOL/PL/I/JCL, IBM i, NATURAL/ADABAS, Java u. v. m.) in quellenbelegte Systemdokumentation — jede Aussage bis auf Programm und Zeile im Quellcode nachweisbar.
SLIP — Wissensgraph & KI-Assistent
Abfragbarer Graph aus Programmen, Datenflüssen, Schnittstellen, Batches und Datenstrukturen; der agentische Assistent beantwortet Impact-Fragen in Sekunden und liefert Transformationsempfehlungen je Modul.
App2Spec — Blackbox-Beobachtung
Ein KI-Agent bedient die Anwendung wie ein Nutzer oder beobachtet echte Anwender; Screens, Geschäftsregeln und End-to-End-Prozesse werden zur evidenzbasierten IST-Spezifikation mit Prozessdiagrammen.
Requirements Manager — Spezifikations-Engine
Workshop-Videos, Protokolle und Ideation-Dokumente werden zu strukturierten Spezifikationsdokumenten; Ergebnis ist der AI Coding Intent als maschinenlesbarer Umsetzungsauftrag.
reqChecker — Anforderungsqualität
Automatische Qualitätsprüfung der Anforderungen mit strukturiertem Feedback und testbaren Umformulierungsvorschlägen — Ziel: 100 % testbare Anforderungen vor dem Baseline-Gate.
Best Practices der Plattformnutzung
- Whitebox (SLIP) und Blackbox (App2Spec) kombinieren und Code-Sicht gegen Nutzungssicht validieren — Abweichungen sind Analysebefunde, keine Störungen.
- Rekonstruktionsziele vor dem Analyse-Lauf je System festlegen (Tiefe, Sichten, Artefakte) — Vollanalysen ohne Zielbild erzeugen Wissensfriedhöfe.
- Jede extrahierte Geschäftsregel nur mit Quellcode- bzw. Screenshot-Evidenz übernehmen; die fachliche Bedeutung bestätigt der Fachbereich, nie die Engine allein.
- Anforderungen ausschließlich im Requirements Manager führen — keine Parallelablagen in Office-Dokumenten.
- reqChecker vor jedem Review-Termin laufen lassen und Findings vorab bereinigen; Reviews prüfen Fachlichkeit, nicht Formalia.
- Traceability von Beginn an pflegen: jede Anforderung verweist auf Prozess, Systemquelle oder Stakeholder-Entscheidung.
Artefakte & Ergebnisse
- Rekonstruierte Systemdokumentation (Architektur, Geschäftsregeln, Datenmodelle)
- Ist-Prozessanalyse mit Process-Mining-Evidenz und Schwachstellenkatalog
- Qualitätsgesichertes Anforderungsmodell (funktional & nicht-funktional)
- Traceability-Matrix Anforderung ↔ Prozess ↔ System
- Gap-Analyse Ist vs. agentisches Soll
Quality Gate — Analyse
Der Übergang in die Folgephase erfolgt über ein formales Quality Gate (Go/No-Go). Die Gate-Kriterien werden im Gate-Review dokumentiert und vom Engagement Lead freigegeben.
- Systemdokumentation durch Architektur und Fachbereich abgenommen
- Anforderungen nach ISO-29148-Kriterien geprüft und priorisiert
- Kritische Geschäftsregeln fachlich bestätigt und mit Belegen versehen
- Gap-Analyse als Design-Input vom Engagement Lead freigegeben
Wissenschaftliche Vertiefung
Grundlegende Taxonomie des Reverse Engineering; meistzitierte Referenz des Fachgebiets.
Verbindung von Reengineering und Architekturmodellen; Basis der Architektur-Rekonstruktion.
Standardwerk des Process Mining von Discovery bis Conformance Checking.
Umfassendes wissenschaftliches Referenzwerk des Requirements Engineering.
Zertifizierungsstandard des Requirements Engineering; ReqPOOL-Qualitätsmaßstab.
Norm für Prozesse und Qualitätskriterien von Anforderungsspezifikationen.
Body of Knowledge der Business-Analyse mit Technik-Katalog.
Best-Practice-Anleitung: Phase Analyse
Kompakte Checkliste mit Vorgehensmodell, Methodik-Mix und Plattform-Best-Practices für den Einsatz im Engagement.
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