Phase 03 / 08 TRANSFORM

Analyse

Legacy verstehen, Prozesse durchdringen, Anforderungen präzisieren

Die Analyse-Phase erzeugt das vollständige fachliche und technische Verständnis der Ausgangslage: Bei Legacy-Systemen rekonstruiert agentisches Reverse Engineering Architektur, Geschäftslogik und Datenmodelle; parallel analysiert die Business-Analyse die Ist-Prozesse, und das Requirements Engineering spezifiziert die Anforderungen an die agentische Ziellösung.

Einordnung der Phase im TRANSFORM-Vorgehensmodell

Vorgehensmodell

Ergebnis ist eine konsolidierte, nachvollziehbare Wissensbasis: rekonstruierte Systemdokumentation, analysierte Ist-Prozesse mit Schwachstellen und ein qualitätsgesichertes, priorisiertes Anforderungsmodell nach IREB-Standard.

Systeminventur & Scoping
Reverse Engineering (bei Legacy)
Business-Analyse der Ist-Prozesse
Requirements Engineering
Konsolidierung & Gap-Analyse
1

Systeminventur & Scoping

Erfassung der betroffenen Systeme, Schnittstellen, Datenbestände und Prozessdomänen; Festlegung von Analysetiefe und Rekonstruktionszielen je System auf Basis der Roadmap-Priorisierung.

2

Reverse Engineering (bei Legacy)

Agentische Rekonstruktion von Architektur, Modulstruktur, Geschäftsregeln und Datenmodellen aus Quellcode, Datenbanken und Betriebsartefakten — methodisch entlang der Taxonomie von Chikofsky & Cross und des Horseshoe-Modells.

3

Business-Analyse der Ist-Prozesse

Prozessaufnahme und -bewertung mit Process Mining und BABOK-Techniken; Identifikation von Medienbrüchen, Automatisierungspotenzialen und Human-in-the-Loop-Punkten.

4

Requirements Engineering

Ermittlung, Dokumentation, Prüfung und Abstimmung der funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen nach IREB/ISO 29148; Modellierung mit Use Cases, User Stories und BPMN-Sollprozessen.

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Konsolidierung & Gap-Analyse

Zusammenführung von Systemwissen, Prozessanalyse und Anforderungen in der Wissensbasis; Gap-Analyse zwischen Ist und agentischem Soll als direkte Eingabe für die Design-Phase.

Methodik-Mix

Reverse Engineering, Business-Analyse und Requirements Engineering

MethodeEinsatzzweck im TRANSFORM-KontextReferenz
Reverse-Engineering-TaxonomieBegriffs- und Vorgehensrahmen für Design Recovery und Re-Dokumentation von Altsystemen; wissenschaftliche Basis des Whitebox-Reverse-Engineering mit SLIP.Chikofsky & Cross (1990)
Horseshoe-Modell (Architecture Reconstruction)Dreistufige Rekonstruktion von Code- über Funktions- zur Architektursicht; strukturiert die Transformation von Alt- zu Zielarchitektur.Kazman, Woods & Carrière (1998)
Process MiningDatengetriebene Rekonstruktion und Konformanzprüfung realer Prozessabläufe aus Event-Logs; objektiviert die Ist-Prozessanalyse.van der Aalst (2016)
BABOK v3 — Business-Analyse-TechnikenKuratiertes Technikenset (u. a. Stakeholder-Analyse, Wertstromanalyse, Root-Cause-Analyse) für die fachliche Durchdringung der Prozesse.IIBA (2015)
IREB CPRE / Requirements EngineeringSystematik für Ermittlung, Dokumentation, Prüfung und Management von Anforderungen; verbindlicher ReqPOOL-Qualitätsstandard.Pohl (2010); IREB
ISO/IEC/IEEE 29148Internationale Norm für Anforderungsspezifikationen; definiert Qualitätskriterien wie Verifizierbarkeit und Widerspruchsfreiheit.ISO/IEC/IEEE 29148:2018

Plattform-Unterstützung

ReqPOOL Suite: SLIP (Reverse Engineering — Whitebox) · App2Spec (Reverse Engineering — Blackbox) · Requirements Manager (Agentisches Requirements Management) · reqChecker (Anforderungsqualität)

SLIP — Whitebox-Reverse-Engineering

Liest jede Codebasis (SAP/ABAP, COBOL/PL/I/JCL, IBM i, NATURAL/ADABAS, Java u. v. m.) in quellenbelegte Systemdokumentation — jede Aussage bis auf Programm und Zeile im Quellcode nachweisbar.

SLIP — Wissensgraph & KI-Assistent

Abfragbarer Graph aus Programmen, Datenflüssen, Schnittstellen, Batches und Datenstrukturen; der agentische Assistent beantwortet Impact-Fragen in Sekunden und liefert Transformationsempfehlungen je Modul.

App2Spec — Blackbox-Beobachtung

Ein KI-Agent bedient die Anwendung wie ein Nutzer oder beobachtet echte Anwender; Screens, Geschäftsregeln und End-to-End-Prozesse werden zur evidenzbasierten IST-Spezifikation mit Prozessdiagrammen.

Requirements Manager — Spezifikations-Engine

Workshop-Videos, Protokolle und Ideation-Dokumente werden zu strukturierten Spezifikationsdokumenten; Ergebnis ist der AI Coding Intent als maschinenlesbarer Umsetzungsauftrag.

reqChecker — Anforderungsqualität

Automatische Qualitätsprüfung der Anforderungen mit strukturiertem Feedback und testbaren Umformulierungsvorschlägen — Ziel: 100 % testbare Anforderungen vor dem Baseline-Gate.

Best Practices der Plattformnutzung

  • Whitebox (SLIP) und Blackbox (App2Spec) kombinieren und Code-Sicht gegen Nutzungssicht validieren — Abweichungen sind Analysebefunde, keine Störungen.
  • Rekonstruktionsziele vor dem Analyse-Lauf je System festlegen (Tiefe, Sichten, Artefakte) — Vollanalysen ohne Zielbild erzeugen Wissensfriedhöfe.
  • Jede extrahierte Geschäftsregel nur mit Quellcode- bzw. Screenshot-Evidenz übernehmen; die fachliche Bedeutung bestätigt der Fachbereich, nie die Engine allein.
  • Anforderungen ausschließlich im Requirements Manager führen — keine Parallelablagen in Office-Dokumenten.
  • reqChecker vor jedem Review-Termin laufen lassen und Findings vorab bereinigen; Reviews prüfen Fachlichkeit, nicht Formalia.
  • Traceability von Beginn an pflegen: jede Anforderung verweist auf Prozess, Systemquelle oder Stakeholder-Entscheidung.

Artefakte & Ergebnisse

  • Rekonstruierte Systemdokumentation (Architektur, Geschäftsregeln, Datenmodelle)
  • Ist-Prozessanalyse mit Process-Mining-Evidenz und Schwachstellenkatalog
  • Qualitätsgesichertes Anforderungsmodell (funktional & nicht-funktional)
  • Traceability-Matrix Anforderung ↔ Prozess ↔ System
  • Gap-Analyse Ist vs. agentisches Soll

Quality Gate — Analyse

Der Übergang in die Folgephase erfolgt über ein formales Quality Gate (Go/No-Go). Die Gate-Kriterien werden im Gate-Review dokumentiert und vom Engagement Lead freigegeben.

  • Systemdokumentation durch Architektur und Fachbereich abgenommen
  • Anforderungen nach ISO-29148-Kriterien geprüft und priorisiert
  • Kritische Geschäftsregeln fachlich bestätigt und mit Belegen versehen
  • Gap-Analyse als Design-Input vom Engagement Lead freigegeben

Wissenschaftliche Vertiefung

Chikofsky & Cross: Reverse Engineering and Design Recovery (IEEE Software 1990)

Grundlegende Taxonomie des Reverse Engineering; meistzitierte Referenz des Fachgebiets.

https://doi.org/10.1109/52.43044
Kazman, Woods & Carrière: CORUM II / Horseshoe Model (WCRE 1998)

Verbindung von Reengineering und Architekturmodellen; Basis der Architektur-Rekonstruktion.

https://doi.org/10.1109/WCRE.1998.723185
van der Aalst: Process Mining — Data Science in Action (Springer 2016)

Standardwerk des Process Mining von Discovery bis Conformance Checking.

https://doi.org/10.1007/978-3-662-49851-4
Pohl: Requirements Engineering — Fundamentals, Principles, and Techniques

Umfassendes wissenschaftliches Referenzwerk des Requirements Engineering.

https://link.springer.com/book/9783642125775
IREB: CPRE Syllabi & Handbücher

Zertifizierungsstandard des Requirements Engineering; ReqPOOL-Qualitätsmaßstab.

https://www.ireb.org/en
ISO/IEC/IEEE 29148:2018 — Requirements Engineering

Norm für Prozesse und Qualitätskriterien von Anforderungsspezifikationen.

https://www.iso.org/standard/72089.html
IIBA: BABOK Guide v3

Body of Knowledge der Business-Analyse mit Technik-Katalog.

https://www.iiba.org/career-resources/a-business-analysis-professionals-foundation-for-success/babok/

Best-Practice-Anleitung: Phase Analyse

Kompakte Checkliste mit Vorgehensmodell, Methodik-Mix und Plattform-Best-Practices für den Einsatz im Engagement.

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